Aktion „Hoffnungswerk“ bringt den Menschen im Ahrtal ein Stückchen Normalität zurück

Busfahrt ins (kleine) Glück

24.06.2022 - 14:39

Wienau. Das ist die Geschichte einer Busfahrt, die auf keinem Fahrplan steht und für die es auch keine Tickets zu kaufen gibt. Eine Busfahrt, die nur das eine Ziel hat: Menschen etwas Normalität zurück zu geben in einer von einer Jahrhundertflut zerstörten Welt.

Denn wo soll ein Kind im Ahrtal seinen Geburtstag feiern, wenn es kein Kinderzimmer, keinen Partyraum und keinen Garten mehr gibt? Wo wollen Erwachsene von den Strapazen des Aufräumens und des Wiederaufbaus verschnaufen, wenn alles kaputt ist?

Dafür gibt es den gemeinnützigen Verein „Hoffnungswerk“, der sich voriges Jahr nach der Flutkatastrophe im Ahrtal gegründet hat und seitdem bereits die Arbeit von 28.000 freiwilligen Helfern im Ahrtal koordiniert hat. Und der in Ahrweiler ein Begegnungscafé für Flutopfer betreibt und jetzt - neuerdings - auch Busse zur Verfügung stellt, die mobil einsetzbar sind, für die Geburtstagsfeiern von Kindern und für ein paar Momente der Entspannung Not leidender Menschen.


Die Helfer vom Versorgungswerk


Adrian Schuler aus Rengsdorf ist einer von zwei hauptamtlichen Mitarbeitern von „Hoffnungswerk“. Er beschreibt die Entstehungsgeschichte so: „Es hat sich in den ersten Stunden und Tagen nach der Flutkatastrophe im Ahrtal herausgestellt, dass zwei Organisationen besonders viel geholfen haben, To All Nations und eine evangelisch-freikirchliche Gemeinde aus Siegburg. Nach ein paar Wochen hat man sich zusammengesetzt und gesagt: Wir machen die gleiche Arbeit, lasst uns unsere Ressourcen gemeinsam nutzen. Daraus ist das Hoffnungswerk entstanden.“ Den Verein Hoffnungswerk gibt es seit neun Monaten. Er finanziert sich komplett aus Spenden von Unterstützern. Nach dem Aufräumen und Schlamm wegschaffen haben die Hoffnungswerker ihre Arbeit nicht als beendet angesehen. Sie erleben täglich: Die Menschen, die durch die Flut alles verloren haben, nicht selten nahestehende Angehörige oder Freunde, brauchen nicht nur materielle Hilfe, sondern genauso nötig menschliche Zuwendung, seelisch-moralische Unterstützung.

Daraus entstanden zunächst die Kaffeeteams des Hoffnungswerks, die mit Bollerwagen und blauen T-Shirts durch die Straßen zogen und Kaffee und Kuchen verteilten. Den Bollerwagen folgte das stationäre Begegnungscafé in der Altstadt von Ahrweiler und gleichzeitig die Idee von mobilen Cafés in Bussen, in denen aber auch Seelsorgegespräche geführt werden können und ein Stück weit Traumatherapie betrieben werden kann.


Technisches und handwerkliches Geschick


Das technische und handwerkliche Know-How für den Umbau der Busse stellte das Wienauer Unternehmen Manfred Weßler zur Verfügung. Hier gibt es Handwerker, die aus nackten Reise- oder Linienbussen komplett eingerichtete Begegnunsorte bauen konnten, quasi Wohnmobile im Maxiformat. Mittlerweile sind drei Großfahrzeuge in Wienau für die Hilfe im Ahrtal eingerichtet worden: Der so genannte „Kids-Bus“, ein Café-Bus und ein Kids-Trailer, in dem auch Kinoabende oder Vorträge angeboten werden können.

Jonas Weßler sagt: „Ich habe nach der Flut nach einem Verein gesucht, mit dem ich den Menschen im Ahrtal helfen konnte. Erfahrungen mit dem Ausbau von Bussen für Kinder hatte ich schon durch ein vorangegangenes Projekt. Dann suchte Sascha Neudorf vom Hoffnungswerk nach einem Café-Bus als Begegnungsstätte. So lernten wir uns kennen. Als dann die Idee kam, einen Bus zu bauen, in dem Kinder ihren Geburtstag feiern können, bot mir ein Unternehmer einen Doppeldeckerbus an. Das erschien mir anfangs etwas überdimensioniert. Aber letztlich ist das ideal, in so einem Bus ist man wetterunabhängig. Im oberen Bereich kann gespielt werden und unten kann man mit den Eltern sprechen. Unten sind Sitzmöglichkeiten, eine Küchenzeile und eine Toilette.“


Helfer gesucht


300.000 Euro hat das Hoffnungswerk bisher für den Kauf und Umbau der Busse und die Personalkosten aufgewendet, alles aus Spenden finanziert. Unter anderem hat der M.A.N.-Konzern die Reparaturkosten in Höhe von mehreren Tausend Euro für einen der Busse komplett übernommen. Auch heute noch werden Helfer für die soziale Arbeit gesucht sowie Handwerker, die sich am weiteren Ausbau und der Wartung der Fahrzeuge beteiligen. Wer mitmachen möchte, findet auf der Internetseite www.hoffnungswerk.org die entsprechenden Kontaktmöglichkeiten.

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Franz-Josef Dehenn:
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K. Schmidt:
Warum wird in dem Bericht so oft auf Corona hingewiesen? Oberwinter hat über 3.700 Einwohner, plus Potential aus den Nachbarorten. Wenn dann ein Verein dort nur 15 Mitglieder hat, hat das mit Corona doch nix zu tun. Es gibt Traditionsvereine, die zeitgemäß fortbestehen können. Schützenvereine gehören...
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