Wie ist der Stand der Dinge bei Spendengeldern, der Abfallbeseitigung und beim neuen Sirenenwarnnetz? Eine Pressekonferenz mit Landrätin Cornelia Weigand lieferte Antworten.

Kreis Ahrweiler: Wie läuft der Wiederaufbau nach der Flut?

Kreis Ahrweiler: Wie läuft der Wiederaufbau nach der Flut?

Landrätin Cornelia Weigand, Fachbereichs- und Stabsleiter informierten über den Stand der Dinge. Foto: ROB

06.06.2022 - 15:10

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der Wiederaufbau nach der verheerenden Flut des Julis 2021 ist und bleibt eine Mammutaufgabe. Über den derzeitigen Stand der Dinge informierte nun Landrätin Cornelia Weigand in einer Pressekonferenz im Kreishaus. Möglichst transparent sollten die Ausführungen sein. So überließ es die Landrätin den Fachbereichs-, Werks-, und Stabsleitern von dem Sachstand in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen im Detail zu berichten. Dass diese Art von Information wichtig ist, betonte auch Cornelia Weigand. Denn viele Maßnahmen werden im Hintergrund umgesetzt, ohne unverzüglich sichtbar zu sein.


Spenden gehen ohne Abzüge an Betroffene


Erich Seul, Fachbereichsleiter I, schilderte die Personalsituation in der Kreisverwaltung. „Insgesamt wurde ein Mehrbedarf von 60 Stellen festgestellt“, so Seul. Besonders dringend sei der Bedarf im Bereich Ingenieurswesen. Gesucht werden vor allem TechnikerInnen, SozialpädagogInnen und IT-SystemadministratorInnen. Seul ging außerdem im Detail auf die finanziellen Folgen der Flut ein. Mit Stand zum 30. Mai 2022 hatte der Kreis etwa 123,5 Millionen Euro an katastrophenbedingten Kosten aufgestellt. Das Land Rheinland-Pfalz hatte dazu 101,4 Millionen Euro an Soforthilfen bereitgestellt, die nicht über das Wiederaufbauprogramm abzurechnen waren. Insgesamt gingen bis zum Stand vom 24. Mai 2022 insgesamt 40,7 Millionen Euro Spendengelder auf das Spendenkonto des Kreises ein. Davon wurde in drei Auszahlungsrunden im Rahmen der Soforthilfe 39,2 Millionen Euro ausgezahlt. Diese Gelder gingen eins zu eins an ohne Abzüge an die Betroffenen. Generell sei festzustellen, dass die Spendenbereitschaft in der letzten Zeit abgenommen habe. Zur Zeit gehen pro Tag Spenden im niedrigen vierstelligen Bereich auf dem Kreiskonto ein.


Aufgaben des Verwaltungsstabes


Christoph Weber, Leiter des Verwaltungsstabs, informierte über die derzeitigen Maßnahmen. Zur Zeit werden unter anderem die Info-Points neu koordiniert. Auch die Containerdisposition und die Aufrechterhaltung der Notbeleuchtungen sind zentrale Aufgaben des Stabes, der am 1. Oktober 2022 die Arbeit aufgenommen hat. Zusätzlich wurde der Rückbau des Evakuierungszeltes in Adenau und des Helfer-Camps in Leimersdorf durch den Verwaltungsstab betreut. Die Betreuung großer Helfer-Organisationen gehört ebenfalls zu den Aufgaben des Stabes.


2655 Einzelmaßnahmen


Der Aufbaustab unter der Leitung von Michael Schäfer betreut schwerpunktmäßig den Wiederaufbau als solches. Dazu gehört der enge Austausch mit Verwaltungen, beteiligten Akteuren und Dienstleistern. Zusätzlich ist das Team von Schäfer zentrale Anlaufstelle für alle Fragen des Nationalen Wiederaufbaufonds. Seit dem Arbeitsbeginn am 1. Oktober 2021 hat der Aufbaustab einen kreisweiten Maßnahmenplan mit 2655 Einzelmaßnahmen erstellt, die mit insgesamt 3,77 Milliarden Euro gefördert werden. Insgesamt wurde bisher 69 Förderanträge gestellt, die beantragte Summe beträgt hier etwa 270 Millionen Euro. Hier bestehe überdies Zeitdruck, wie Cornelia Weigand ergänzte. „Alle Anträge müssen bis zum 30. Juni gestellt sein“, so die Landrätin.

Schäfer informierte ebenfalls über den Zustand der Kreisstraßen. Unmittelbar nach der Flut wurden viele Maßnahmen angestoßen. Im Bereich der Fahrbahnsanierung fallen insgesamt 48 Einzelmaßnahmen an. Auch die Brücken sind hier ein großes Thema. Insbesondere in Liers und Insul sind umfangreiche Neubaumaßnahmen geplant.

Desweiteren kümmert sich der Aufbaustab um den Wiederaufbau der Infrastruktur, so zum Beispiel in den Bereichen, Energie, Telekommunikation und der Ahrtalbahn. In diesem Zusammenhang wies Schäfer auch auf die wissenschaftliche Begleitung des Wiederaufbaus hin. Der Kreis Ahrweiler ist Praxispartner des bundesweiten Forschungsprojektes KAHR, kurz für Klima-Anpassung, Hochwasser und Resilienz. Ziel ist es, konkrete Maßnahmen für einen zukunftsorientierten Wiederaufbau und Hochwasserschutz zu entwickeln.


Fortschritte beim Sirenenwarnnetz


Almut Scheepers informierte über den Stand der Dinge im Brand- und Katastrophenschutz. Die Technische Einsatzleitung hat nach der Flut vorübergehend einen neuen Standort in der Bundesakademie für Bevölkerungsschutz und Zivile Verteidigung (BABZ) bezogen. Ein erster Test der Einsatzbereitschaft wurde am 20. Mai durchgeführt.

Der Aufbau eines neuen elektronischen Sirenenwarnnetzes mache große Fortschritte, wie Scheepers erläuterte. Von den 85 elektronischen Sirenen sind derzeit 69 bereits installiert oder zur Zeit in der Bauphase.


Über 200.000 Tonnen Bodenmasse entsorgt


Über die Hochwasservorsorge informierte Anja Toenneßen. Für die Ahr und Zuflüsse II. Ordnung wird ein Gewässerwiederherstellungskonzept erarbeitet. Dies dient der Feststellung, wo veränderte oder zerstörte Gewässerstrukturen wieder hergestellt werden müssen. Diese Maßnahmen sollen unter anderem der Verbesserung des Abflusses dienen.

Toenneßen erläuterte, dass im gesamten Kreisgebiet ursprünglich 31 Flächen zur Lagerung von Schlämmen und Böden genutzt würden. 208.000 Tonnen Bodenmasse wurden bereits entsorgt.

Bezüglich der Ahrtalbahn setzt sich der Kreis für einen möglichst schnellen und optimierten Wiederaufbau ein. Gemeinsam mit der Deutschen Bahn sollen bessere Fahrpläne erarbeitet werden und die Elektrifizierung vorangetrieben werden.


Soziale Maßnahmen zeigen Wirkung


Im Sozialen Bereich ist der Kreis Ahrweiler breit und fachlich kompetent aufgestellt, wie Fachbereichsleitern Sieglinde Hornbach-Beckers erläuterte. Maßnahmen wie der Runde Tisch zum „(Wieder)-Aufbau der sozialen Infrastruktur zeigen Wirkung. Die psychosoziale Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zur Bewältigung der Folgen der Flutkatastrophe ist ein zentrales Thema.

Auch die Situation der Kindertagesstätten war ein Thema. Hornbach-Beckers informierte, dass durch die Flut 800 Kita-Plätze weggefallen sind. Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler ist in diesem Bereich am stärksten betroffen: Von zwölf Kitas wurden acht beschädigt. Aber: In nur kurzer Zeit konnten für alle betroffenen Kinder Alternativen bereitgestellt werden.


Lösung für Don-Bosco- und Levana-Schule


Jörg Hamacher ist Werkleiter des Eigenbetriebes Schul- und Gebäudemanagements. Hamacher erklärte, dass derzeit noch fast 6000 Schülerinnen und Schüler in provisorischen Räumen unterrichtet werden. Wann ein Rückzug in die Schulen erfolgen kann, ist derzeit noch nicht abschätzbar. Für die Don-Bosco-Schule und die Levana-Schule wurde mittlerweile in der Schützenstraße Lösung gefunden, so Hamacher. Dort soll bis Ende der Sommerferien eine Containeranlage errichtet werden. Gerade bei den Schulen zeige sich das Dilemma zwischen „Aufbau“ und „Neuaufbau“, so Landrätin Weigand. Baue man eine Schule nun exakt wieder so auf, wie sie vor der Flut war, ist sie nicht zukunftsfähig. So soll ab 2026 für Schüler und Schülerinnen gemäß Gesetz eine Ganztagsbetreuung angeboten werden. Die Gelder für den Wiederaufbau sind aber nur für eine Herstellung der Gegebenheiten vor der Flut gedacht. Da viele Schulen noch nicht die Möglichkeiten für eine Ganztagsbetreuung haben, könne man zunächst nur aufbauen und danach erst wichtige Erweiterungen durchführen, zum Beispiel in Form einer Mensa. Die Schulen im Kreisgebiet besitzen diese Speiseräume aber in der Regel nicht. Hier gelte es, mit dem Land gemeinsame Lösungen zu finden, so Weigand. Denn mit dem vorliegenden Konzept des „Aufbaus“ ist ein sinnvoller Neuaufbau nicht möglich.


45.000 Lkw-Fahrten zur Abfallbeseitigung


Willibert Müller informierter als stellvertretender Werkleiter des Abfallwirtschaftsbetriebes über den Stand der Abfallbeseitigung. Insgesamt wurden etwa 430.000 Tonnen Abfall aus dem Flutgebieten abtransportiert, davon waren 350.000 Tonnen Sperrabfälle. „Diese Abfallmenge entspricht dem Sperrmüllaufkommen von 50 Jahren und etwa 45.000 Lkw-Fahrten“, so Müller. Außerdem wurden rund 10.000 Elektroaltgeräte eingesammelt. 9000 Mülltonnen gingen in den Fluten verloren und wurden in der Folge bereits bis Ende September 2021 ersetzt. Die Kosten der Entsorgung der Abfälle betrugen bisher 131 Millionen Euro, davon wurden 115 Millionen Euro erstattet. Als großen Erfolg bezeichnet es Müller, dass es dem AWB gelang, während der gesamten Zeit nach der Flut die Abfallentsorgung trotz des Mehraufwandes aufrecht zu halten.

ROB

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aus Oberwinter:
Die von "näher dran" wissen, was da so seit Jahren und Jahrzehnten so (schief) gelaufen ist. Mit Corona hat das nicht viel zu tun. Die Berichterstattung wird oberflächlich gehalten um gewissen Personen nicht zu nahe zu treten. Diese Katastrophe war vorauszusehen - aber nicht abwendbar....
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Warum wird in dem Bericht so oft auf Corona hingewiesen? Oberwinter hat über 3.700 Einwohner, plus Potential aus den Nachbarorten. Wenn dann ein Verein dort nur 15 Mitglieder hat, hat das mit Corona doch nix zu tun. Es gibt Traditionsvereine, die zeitgemäß fortbestehen können. Schützenvereine gehören...
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