Zwischen Traum und Job: BLICK aktuell stellt berufliche Erfahrungen (außer)gewöhnlicher Menschen vor

Menschen Hilfe zur Selbsthilfe bieten

Interview mit Dagmar Scheel, pädagogische Mitarbeiterin im Bereich Tafel Plus beim Caritasverband in Ahrweiler

20.04.2021 - 14:40

Bad Neuenahr-Ahrweiler.In der Reihe „Zwischen Traum und Job: Mein Beruf“ stellt BLICK aktuell die ganz persönlichen beruflichen Erfahrungen einzelner Menschen vor. Diese Woche beantwortet Dagmar Scheel den Fragebogen zu ihrem Beruf. Die große Frage: Eher Traum oder eher Job?


BLICK aktuell: Welchen Beruf üben Sie aus?

Dagmar Scheel: Ich bin seit September 2020 pädagogische Mitarbeiterin im Bereich Tafel Plus beim Caritasverband in Ahrweiler. Zu meinen Aufgaben gehört die Koordination, Organisation und Gestaltung unterschiedlicher Angebote, die über die Lebensmittelausgabe der Tafel hinausgehen und mit Hilfe ehrenamtlichen Engagements realisiert werden. Ziel ist es, Möglichkeiten der sozialen Teilhabe zu schaffen, Menschen in herausfordernden Lebenssituationen Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten und das Vertrauen in eigene Ressourcen zu stärken.

Nach dem Abitur habe ich zunächst eine pädagogische Ausbildung im Sport- und Gesundheitsbereich absolviert und habe einige Jahre später das Studium der Bildungswissenschaft draufgesattelt. Formell lautet die Bezeichnung meines Studienberufs Bildungswissenschaftlerin/Erziehungswissenschaftlerin/Pädagogin. Ich würde hier eher von Qualifikation als von einem Beruf im engeren Sinne sprechen.

BLICK aktuell: Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?

Dagmar Scheel: Zum einen würde ich mich grundsätzlich als eine dem Menschen zugewandte Person bezeichnen und so wusste ich schon früh, dass ich gerne mit und für Menschen arbeiten möchte. Also lag die Entscheidung für einen pädagogischen Bereich nahe. Zum anderen war mir mit Abschluss des Studiums wichtig einer Tätigkeit nachzugehen, die im Einklang mit meinen Werten und meinem Blick auf Gesellschaft steht. Für mich persönlich hat eine pädagogische Arbeit im sozialen, caritativen Bereich mit Sinnstiftung zu tun.

BLICK aktuell: Was überrascht die Menschen an Ihrem Beruf, wenn Sie davon erzählen?

Dagmar Scheel: Den meisten Menschen ohne Berührungspunkte zu pädagogischen und sozialen Bereichen ist meistens nicht bewusst, wie breit die Palette der möglichen Tätigkeitsfelder ist. Konkret auf meine derzeitige Tätigkeit bezogen, ist es die Vielfalt der Aufgaben, die damit einhergehen, welche für einige durchaus überraschend ist.

BLICK aktuell: Gibt es bestimmte Momente, in denen Sie immer wieder aufs Neue davon überzeugt werden, dass genau dies der richtige Beruf für Sie ist?

Dagmar Scheel: Jeder Moment, an dem man jemandem weiterhelfen konnte, ein nettes Gespräch geführt, ein Lächeln bekommen und zurückgegeben hat. Also grundsätzlich dann, wenn man mit einem guten Gefühl aus einer zwischenmenschlichen Interaktion herausgeht.

BLICK aktuell: Gibt es etwas an Ihrem Beruf, das Sie überrascht hat? Wurde Ihre Vorstellung, wie es sein würde, diesen Beruf auszuüben, bestätigt, oder sieht der Alltag doch teilweise anders aus, als Sie es erwartet hatten?

Dagmar Scheel: Aufgrund der aktuellen Situation ist der Arbeitsalltag gezwungenermaßen völlig anders als das, was ich mir vorgestellt bzw. gewünscht habe. Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen stehen ja im krassen Gegensatz zu den Kernpunkten dieses Arbeitsbereichs. Statt direktem zwischenmenschlichen Kontakt, Nähe und Verbundenheit ist es Distanz, die den Alltag bestimmt.

BLICK aktuell: Was würden Sie gerne ändern: Womit verbringen Sie im Beruf mehr Zeit, als Sie es sich wünschen, und wofür haben Sie zu wenig Zeit?

Dagmar Scheel: Momentan ist es weniger der Faktor Zeit, der hier einschränkt, sondern wie bereits angeklungen, der Faktor Corona. Mit Blick auf die Menschen, die mit den Angeboten unterstützt werden sollen, ist diese Situation natürlich bedrückend. Vieles kann derzeit schlichtweg nicht umgesetzt werden.

BLICK aktuell: Hat sich Ihr Beruf im Laufe der Jahre stark verändert?

Dagmar Scheel: Da ich erst seit ein paar Monaten beim Caritasverband tätig bin, kann ich bezogen auf meinen dortigen Aufgabenbereich diese Frage nicht wirklich beantworten.

Aus bildungswissenschaftlicher Perspektive ist aber grundsätzlich in den letzten Jahren eine verstärkte Ausdifferenzierung von möglichen Qualifikationen und Tätigkeitsfeldern zu verzeichnen. In einer immer diverseren und komplexeren Gesellschaft gilt dies über alle Branchen hinweg und ist auch für den pädagogischen und sozialen Bereich anzunehmen.

BLICK aktuell: Würden Sie heute einem Berufseinsteiger, der Sie um Rat bittet, dazu raten, eine Karriere in diesem Bereich anzustreben?

Dagmar Scheel: Das kommt auf die Persönlichkeitsstruktur und individuellen Interessen sowie Erwartungen an eine Beschäftigung an. Freude am Umgang mit Menschen, Empathie, Hilfsbereitschaft und Interesse für soziale Fragestellungen sind sicherlich Grundvoraussetzungen, um im pädagogischen und sozialen Bereich tätig zu werden.

BLICK aktuell: Welchen Rat geben Sie diesem jungen Menschen mit auf den Weg?

Dagmar Scheel: Verschaffe Dir einen Überblick über die Vielfalt an möglichen Qualifikationen und Tätigkeitsfeldern in dem Bereich. Werde Dir Deiner eigenen Stärken, Interessen, Erwartungen und Wünsche bewusst. Probier’s aus: Praktika oder Hospitationen sind ein guter Weg, um rein zu schnuppern, die eigenen Vorstellungen zu überprüfen und sich gezielter zu orientieren.

BLICK aktuell: Und zum Abschluss die ganz persönliche Stimmungsfrage: Ist Ihr Beruf momentan eher Traum oder eher Job?

Dagmar Scheel: Wenn man „Job“ als reinen „Broterwerb“ definiert, ist das sicher nicht zutreffend. Ich glaube, eine solche Sichtweise geht grundsätzlich nicht mit einer Beschäftigung im caritativen Bereich zusammen.

Unter jetzigen Bedingungen fällt es mir ehrlich gesagt schwer, an dieser Stelle von Traum zu sprechen.

Ich empfinde es grundsätzlich als sinnvolle Tätigkeit, weil es um menschliche Fürsorge geht. Und ich bin sehr froh ein wirklich kollegiales und freundliches Arbeitsklima angetroffen zu haben.

-SPS-

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Kommentare
Gabriele Friedrich:
Klar, den Kindern die Natur beibringen und wie Papier hergestellt wird, das der Regenwald schon abgegrast ist und man achtsam sein muss... und dann bunten Krempel und *bling*bling* aus China kaufen. Oder Fischstäbchen mit wenig Fisch und viel Panade in viel Verpackung. Hauptsache bunt... hört mir doch...
juergen mueller:
Da haben wir es wieder. Andere, wie hier Kinder, inspirieren zu wollen, mit einem tatsächlich wertvollen Material wie Papier sorgsam umzugehen, ihnen näherzubringen, woraus es eigentlich hergestellt wird u. sich selbst dessen ausgiebig u. verschwenderisch zu bedienen, weil man es für ein Festhalten...

„Gedanken...“

Gabriele Friedrich:
Ich kann da auch nichts mit anfangen, schon recht nicht wenn "Gott" genannt ist. Seelsorge -das ist ein Begriff, der die Tatsachen ausblendet, das der Mensch körperliche Leiden hat, existenzielle Sorgen, Probleme mit anderen oder eben einfach nur Hilfe sucht. Der Alltag sieht so aus, das man relativ...
juergen mueller:
Ich persönlich verzichte gerne auf solche Hilfe und das aus einem bestimmten Grund. Jeder, der das liest, sollte sich darüber im Klaren sein, dass das alles mit Realität nichts zu tun hat. Unter Seelsorge stelle ich mir etwas anderes vor - greifbar, der Realität entsprechend, kein Gelaber von etwas,...
Gabriele Friedrich:
[ Zitat ] „Die Stärke der SPD war es schon immer, zuzuhören und nah bei den Menschen zu sein“ [ Zitat Ende ] Das muss aber mindestens über 50 Jahre her sein,, wenn nicht länger....
juergen mueller:
Klar ist hier garnichts. In Kontakt mit den Bürger*innen zu treten, zuzuhören, nah bei den Menschen zu sein ist keine Stärke der SPD u. war es nie. Selbstlob stinkt nun einmal. 3 Kriterien, die jeder Politiker für sich ins Feld führt, weil sie einfach zum politischen Leben dazugehören, für ihn persönlich...
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