Christian Lindner ist Vorsitzender des Ahrtal-Tourismus und hat für das Tal einige Ideen: Mountainbike-Strecken und eine Hängeseilbrücke in den Weinbergen zum Beispiel

Tourismus im Ahrtal: „Wir fangen nicht bei Null an“

30.04.2022 - 19:10

Bad Neuenahr. Christian Lindner ist Vorsitzender des Ahrtal-Tourismus, dem großen Gastgeberverein von der Ahr. Lindner ist auch Hotelier. Sein Hotel Villa Aurora steht nur wenige Meter von dem Ufer der Ahr entfernt und so mitten im Herz der Zerstörungen, die die Flut angerichtet hat. Nur die Böschung, Fahrrad- und Fußweg trennen das Hotel von der Ahr. Heute fahren dort auch Bagger und Transporter mit Baumaterial über die Wege, die eigentlich für Spaziergänger und Radfahrer vorbehalten waren.


Grundsätzlich hat Lindner zwei Baustellen: Zum die im eigenen Betrieb und zum anderen das komplette Ahrtal als Gastgeberlandschaft. Wie der Wiederaufbau gelingen kann, und wie Touristen wieder an die Ahr zu locken sind, ist die zentrale Frage der kommenden Jahre. Es sei jedoch nicht so, dass die Flut im Juli „alle Uhren auf Null“ gesetzt habe. Schon vor der Katastrophe gab es Konzepte, die funktionierten, sagt Lindner. Dass diese auch griffen, beweisen die Übernachtungszahlen und die Besucherzahlen im Bereich des Tagestourismus aus den Jahren vor Corona. 2019 meldeten die Hoteliers noch 1,5 Millionen Übernachtungen. Insgesamt 3,4 Millionen Tagesgäste kamen hinzu.


Die „Marke Ahrtal“ steht noch


Und: „Eine „Marke Ahrtal“ gibt es ja schon, daran hat auch die Flut nichts geändert“ sagt er. Gemeint ist die Kombination von Aspekten wie Wein, Wellness, Wandern und eben auch Wasser. Zusammengefasst wird dies unter dem Slogan „Natürlich im Ahrtal“. Auch nach der Flut habe das Wasser seine Existenzberichtigung wie Christian Lindner sagt. Berührungsängste gäbe es hier keine. „Die Ahr ist ja da und einer der Gründe für die vielen Besucher.“ Und die Ahr sei ja auch nicht „schuld“ an der Katastrophe. Der Markenkern hat also weiterhin Bestand. Nun wäre die Möglichkeit da, vieles zu verbessern. Nachhaltigkeit ist hier ein großes Thema und gleichzeitig ein weiter Begriff, der viele Themenfelder einschließt. Es müsse genau jetzt, mitten im Neuaufbau, mit der Umsetzung begonnen werden. So sollen beispielsweise nachhaltige Baustoffe verwendet werden. Zeit zu warten habe man an der Ahr nämlich nicht, so der Vorsitzende.


Gut, aber nicht alles perfekt


Vieles lief schon vor der Flut im Ahrtal in Sachen Tourismus recht reibungslos. Das bedeutet aber nicht, dass vor Mitte 2021 alles perfekt war, wie Lindner erklärt. „Es hat ein bisschen am Bekanntheitsgrad des Ahrtals gehapert“, blickt er zurück. Gleichzeitig sagt der Hotelier, dass dieses Problem heute nicht mehr gegeben wäre. Die Flut hat den Kreis Ahrweiler im wahrsten Sinne über Nacht in die Schlagzeilen gebracht – und das weltweit. Auch wenn das dahinterstehende Ereignis außerordentlich negativ war, generiert die neu erlangte Bekanntheit doch wiederum Gutes. „Die Buchungsanfragen steigen langsam wieder an,“ sagt Lindner. „Gerade viele Menschen, die nach der Flut im Ahrtal geholfen haben, möchten nun wiederkommen und das Ahrtal auf andere Art entdecken“, sagt Lindner. Positiv hervorzuheben ist, dass viele Fragen von jüngeren Menschen kommen und eine andere Zielgruppe erreicht wird. Problematisch sei, dass die Kapazitäten zur Übernachtung immer noch stark eingeschränkt sind. Viele Hoteliers sind voll und ganz mit dem Wiederaufbau beschäftigt. Und bis der Betrieb wieder läuft, wird es an vielen Stellen noch dauern. Die Rahmenbedingungen seien allerdings bestens. Dass beispielsweise die Bahn wieder fahre, sei ein wichtiges Signal. Es sei erstaunlich, so Lindner, dass die Deutsche Bahn schon im Dezember Walporzheim anfahren konnte.


Das Ahrtal bleibt Premium


Und nach wie vor böte das Ahrtal weiterhin tolle Erlebnismöglichkeiten. Mit dem Rotweinwanderweg und dem Ahrsteig gäbe es Premiumwanderwege, die ihresgleichen suchen. Letzterer ist seit Ende April, und damit passend zur Outdoor-Saison, wieder durchgängig wanderbar. So gut die Rahmenbedingungen im Tal auch sein mögen, es sei trotzdem Zeit, vieles neu zu denken um auch andere Zielgruppen anzusprechen. Eine Mountainbike-Strecke in den Weinbergen ist denkbar. Auch eine Hängebrücke wie an der Geyerlay im kleineren Format sei eine Option. Generell solle das Ahrtal grundsätzlich ein bisschen familienfreundlicher werden. Neben den vielen Maßnahmen, die derzeit umgesetzt werden, um das Ahrtal voranzubringen, gibt es auch Großprojekte, die angepeilt werden. Eines davon ist die Landesgartenschau 2030, einer Laga für das ganze Ahrtal. Christian Lindner hat an dem Plan nichts auszusetzen. „Ich finde die Idee gut. Jetzt wäre eine solche Veranstaltung natürlich nicht umsetzbar. Aber sieben Jahre sind sieben Jahre. In dieser Zeit kann sich einiges tun“, sagt Lindner. „Und es wird sich auch eine Menge tun,“ ergänzt er.

ROB

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01.05.2022 12:34 Uhr
Hans-Joachim Schneider

Es ist schön, dass Optimismus im Ahrtal wieder Platz hat. Das ist wohl die wichtige Botschaft dieses Artikels. Die genannten Ideen sind ja alle nicht neu, sondern waren auch schon vor der Flut in den Köpfen derer, denen das Ahrtal und seine touristische Zukunft am Herzen liegt. Allerdings sind Hängeseilbrücken und Mountainbike-Strecken auch nichts besonders Originelles, haben aber sicher im Ahrtal eine gewisse Attraktivität, wenn man versteht, die landschaftlichen Gegebenheiten vorteilhaft mit einzubeziehen.



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