Frühjahrsempfang auf dem Fliegerhorst Büchel

Brigadegeneral Jens Arlt mit bedrückendem Afghanistanbericht

Brigadegeneral Jens Arlt
mit bedrückendem Afghanistanbericht

Zum Frühjahrsempfang beim TLG 33 konnte Kommodore Oberst Thomas Schneider Brigadegeneral Jens Arlt (li.) als Gastredner begrüßen. Fotos: TE

02.05.2022 - 08:52

Cochem./Büchel. „Unsere Heimat ist die Eifel, da sind wir stolz drauf und nach hier kehren wir auch zurück“, betonte Oberst Thomas Schneider, Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders (TLG) 33 bei seiner Begrüßungsansprache anlässlich des diesjährigen Frühjahrsempfangs auf dem Fliegerhorst in Büchel. Hintergrund dieser Ansage ist der anstehende Umzug des TLG 33 nach Nörvenich zum TLG 31 „Boelcke“, der wegen grundlegender Sanierungs- bzw. Neubaumaßnahmen auf dem Fliegerhorst Büchel erforderlich wurde.


Nach einem jahrelangen Planungsprozess wird das gesamte Areal, laut dem Kommodore, dabei „auf links gedreht“, was einen Zeitaufwand von etwa vier bis fünf Jahren in Anspruch nehmen wird. Mittlerweile sind fast 800 Tage ins Land gegangen, als sich die Bundeswehr und geladene Gäste aus Politik und Gesellschaft zum Aschermittwoch-Treffen zusammenfanden. Aus diesem offiziellen Termin wurde pandemiebedingt 2022 ein Frühjahrsevent, zu dem Oberst Schneider zahlreiche Ehrengäste begrüßen konnte. Hochrangige militärische Vertreter waren dabei ebenso anzutreffen wie regionale und überregionale Repräsentanten aus der Politik, der Verwaltung, der Kirche, von Behörden und der Gesellschaft. Im Rahmen seiner Ausführungen ging der Kommodore auf jene Ereignisse ein, mit denen sich das Geschwader in den beiden letzten Jahren beschäftigt hat. Hier nannte er u.a. den Übungseinsatz im März 2020 in Nevada (USA), der wegen dem Ausbruch von Corona nach nur 14 Tagen die Evakuierung von 500 Personen erforderlich machte. Während der Pandemie war der Verband dann bei zahlreichen Unterstützungsleistungen einsatzmäßig gebunden, und auch zwei Jahre danach bleibt die Einsatzlage weiter schwierig. So musste Oberst Schneider am 24. Februar krisenbedingt die Einsatzbereitschaft seiner Mannschaft vermelden.

Seitdem sei man zutiefst gefordert und müsste sich natürlich auf den Hauptauftrag und die damit verbundene Daseinsberechtigung, die nukleare Teilhabe konzentrieren. Aktuell befindet man sich laut dem Kommodore im Routinebetrieb und würde derzeit keine Kräfte für die „Nato Response Force“ stellen. Prominenter Gastredner beim Empfang war Brigadegeneral Jens Arlt, dessen militärischen Werdegang Oberst Schneider den Anwesenden detailliert vorstellte. Die zeigten sich in der Folge von den Ausführungen des Generals per Wort und Filmsequenzen zutiefst beeindruckt, schilderte und zeigte dieser doch seine bedrückenden Erlebnisse als Leiter der elftägigen Rettungsmission 2021 am Flughafen Kabul. Bundeskanzlerin a.D. Angela Merkel hatte diese als „die größte Evakuierungsoperation in der Geschichte der Bundeswehr“ bezeichnet. „Was wir hier erlebt haben, ist mit nichts zu vergleichen“, so Jens Arlt in der Werft des Fliegerhorstes. Er sprach über die große Verantwortung gegenüber Deutschen, EU-Bürgern, Ortskräften und anderen Schutzbefohlenen, die vor Ort versorgt werden mussten, sowie die unmenschlichen und katastrophalen Zustände am nördlichen Tor des Flughafens, wo tausende Menschen gleichzeitig versuchten, in den inneren Sicherheitsbereich zu gelangen. „Es fallen Schüsse, Kinder werden in den Stacheldraht gedrückt, oder einfach abgelegt“, sagt Arlt und beschreibt parallel dazu, in welchem Dilemma hier die Soldaten steckten. „Denn alles geschieht zeitgleich und man ist nicht Herr des Verfahrens!“ „In dieser Situation hat Deutschland in jeglicher Form eine zentrale Rolle gespielt und in enger Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt auch andere Nationen versorgt“, so Jens Arlt, der nach dem erfolgreichen Einsatz über viele Wochen den deutschen Medien Rede und Antwort stand. In Büchel teilt er das Dilemma beim Rettungseinsatz in „politisches, militärisches, humanitäres, moralisches und mediales“ ein und er betont stets: „Dabei ging es hier immer um Menschenleben!“ „Wenn man jemanden vom Tor wegschickt, ist das vermutlich ein Todesurteil“, so der Brigadegeneral. Und er fährt fort: „Man ist von Gewalt und Gestank umgeben, und die Brutalität treibt einem die Tränen in die Augen. Ganz zu schweigen von den Soldaten vor Ort, von denen viele dieser Einsatz gebrochen hat!“ 5300 Menschen evakuierte die Bundeswehr in der zweiten Augusthälfte, unter denen sich 505 Deutsche befanden. Abschließend stellte sich Jens Arlt einigen Publikumsfragen, wobei er noch einmal die immense mentale Belastung und die erlittenen Traumata der Soldaten ansprach, die meist bis heute Hilfe benötigen. „Für einige war dies wohl der letzte Einsatz“, so Arlt.

TE

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