Interview mit Odette Freytag, Geschäftsführerin des Hotels zur Post in Waldbreitbach

Einbußen der Mitarbeiter sind ein großes Problem

11.02.2021 - 12:37

Waldbreitbach. Die Bund-Länder-Konferenz hat beschlossen den Lockdown noch einmal bis zum 7. März zu verlängern. Was das für die lokale Wirtschaft bedeutet, erläutert Odette Freytag, Geschäftsführerin des Hotels zur Post in Waldbreitbach, im Interview mit BLICK aktuell.

BLICK aktuell:Der Lockdown geht erneut in die Verlängerung. Wie beurteilen Sie die Maßnahme?

Odette Freytag: Zur Eindämmung der Pandemie und zum Schutz, insbesondere der Risikogruppen, ist der Lockdown wahrscheinlich noch nötig und besser als der stetige Wechsel von Auf und Zu. Aber wir benötigen dringend in allen Branchen eine Öffnungsperspektive und keine kurzfristigen Entscheidungen, da auch unsere Lieferanten ihr Angebot notgedrungen minimiert haben und die Lieferketten erst wieder aufgebaut und ans Laufen kommen müssen – wenn alle kurzfristig zusammen bestellen, ist ein Chaos vorprogrammiert. Perspektivisch ist es auch wichtig, gerade für den Tourismus in unserer Region, dass es auch speziell in den Benelux-Ländern keine Reisebeschränkungen mehr gibt und auch die Abstandsregeln in den Restaurants aufgehoben, zumindest aber minimiert werden.

BLICK aktuell: Wie hoch sind die finanziellen Einbußen in den letzten Monaten?

Odette Freytag: Bei den Einbußen kommen einige 10.000 Euro zusammen, welche aber zumeist von den staatlichen Hilfen kompensiert werden. Viel wichtiger sind die Einbußen unserer Mitarbeiter. Wegfall eines Teils des Lohns, Wegfall der Nacht- Sonntags- und Feiertagszuschläge, Wegfall von Trinkgeldern - gerade im Niedriglohnsektor ist das eine Katastrophe für unsere engagierten Mitarbeiter. Hinzu kommt die Unsicherheit bei der geforderten Einkommenssteuererklärung für 2020. Es ist unklar, welche Kosten noch zusätzlich auf sie zukommen werden! Hier ist dringend Handlungsbedarf bzw. hier sollten Freibeträge aus staatlicher Sicht neu überdacht werden!

BLICK aktuell: Wie steht es um die Hilfszahlungen der Politik? Kommen die an und wie hoch sind die bürokratischen Hürden?

Odette Freytag: Die Beantragung ist zeitlich gesehen eine Katastrophe und es gibt viele Unklarheiten. Wir haben die Novemberhilfen und die Hälfte der Dezemberhilfe komplett erhalten, hatten bei den Auszahlungen aber erfahrungsgemäß Glück. Andere Kollegen, Lieferanten etc. warten hierauf leider sehr lange und müssen dadurch wirtschaftlich sehr kämpfen und bangen. Gerade Klein- und Familienbetriebe stehen durch die Zahlungsverzögerungen kurz vor einer endgültigen Schließung und dem privaten Bankrott. Für unsere gesamte Region wäre dies für die touristische Entwicklung und Attraktivität eine Katastrophe und würde letztlich auch längerfristig gesehen weitere Betriebe, Lieferanten und Hersteller mit in die Insolvenzwelle schicken. Das Kurzarbeitergeld – hier ist ein Lob an die entsprechenden Stellen angebracht – kommt sehr pünktlich, immer zum 10. des Monats. Die Beantragung ist bürokratisch nicht allzu kompliziert, wobei es bei den Anmeldungen für die Überbrückungshilfen 2 + 3 schwieriger und komplizierter ist als bei den Nov. + Dez.-Hilfen. Außerdem bedeutet es einen massiven Mehraufwand für Steuerberater etc. Perspektivisch ist es erforderlich, dass für alle Empfänger eine wirkliche Sicherheit herrscht bei evtl. Rückzahlungen. Hier muss im Vorfeld klar sein wer, wie und unter welchen Bedingungen Anspruch hat und das „Damokles-Schwert“ der Rückzahlungen muss verschwinden.

BLICK aktuell: Können Sie die Umsatzausfälle kompensieren, zum Beispiel durch ein Onlineangebot?

Odette Freytag: Nein, keinesfalls. Für unseren Betrieb, mit ausschließlich angestellten Mitarbeitern und einem recht großen Kostenfaktor, ist die Überlegung eines „Außer-Haus-Angebotes“ auch wirtschaftlich gesehen absolut keine Option. Aber ich muss mich bei all unseren Gästen, egal ob aus Restaurant, Theatergäste und/oder Hotelgäste für das in den letzten Monaten entgegengebrachte Verständnis und ihre Treue und Verbundenheit, bedanken. Rückerstattungen von zum Beispiel evtl. bereits bezahlten Theaterkarten etc. wurden so gut wie nie gefordert. Wir werden diese Karten natürlich auch weiterhin einlösen und finden für jeden eine passende Alternative.

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