BLICK aktuell sprach mit dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde Mendig, Jörg Lempertz

„Ich bin stolz auf unser Patenmodell im Containerdorf!“

„Ich bin stolz auf unser Patenmodell im Containerdorf!“

Jörg Lempertz, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Mendig.

24.09.2021 - 15:02

BLICK aktuell: „In den letzten Wochen nach den gewaltigen Starkregen- und Unwetterereignissen ist auch in der VG Mendig viel passiert. Wie haben Sie das empfunden?“


Jörg Lempertz: „Es ist nach wie vor eine unfassbare Tragödie, die unseren Nachbarn an der Ahr widerfahren ist. Die Hilfsbereitschaft der Hilfsorganisationen und der Bürgerinnen und Bürger, insbesondere auch aus unserer Verbandsgemeinde Mendig haben mich persönlich sehr überwältigt.“

BLICK aktuell: „Wie haben Sie die ersten Tage erlebt?“

Jörg Lempertz: „Bekanntlich haben wir uns bereits nach Eingang der warnenden Wettermeldungen zusammen mit den Feuerwehren auf diese Gefahr vorbereitet. Warnmeldungen an die Bevölkerung wurden mittels Social-Media abgesetzt. Die Feuerwehren wurden auf Alarmbereitschaft gesetzt und der Krisenstab eingerichtet. Der Bevölkerung wurde die Möglichkeit geschenkt, kostenlos Sandsäcke an Verteilerstationen zu füllen. Unsere Wehren bereiteten unermüdlich das technische Equipment bis hin zu diversen Einsatz-Strategien vor. Was hier unsere ehrenamtlichen Kameradinnen und Kameraden bereits im Vorfeld der Wetterlage geleistet haben, verdient allerhöchste Anerkennung!

Auch unsere neue digitale Feuerwehreinsatzzentrale in Mendig auf modernsten technischen Standort konnte bereits in diesen Tagen ihre erste harte Bewährungsprobe meistern.

Unsere Systeme haben dem Starkregen, der Gott sei Dank geringer ausfiel als prognostiziert, weitestgehend standgehalten. Da es nur zu wenigen Einsätzen vor Ort kam, starteten die Wehren sowohl in der Nacht als auch in den folgenden Wochen wertvolle Hilfe für die stark betroffenen Nachbarn in Mayen und an der Ahr.“

BLICK aktuell: „Und dann kam das Containerdorf?“

Jörg Lempertz: „Bevor das Containerdorf errichtet wurde, konnten wir Direkthilfe auch für anrückende Feuerwehreinheiten aus Bayern leisten, die mit nahezu 500 Helferinnen und Helfer ihr Quartier auf dem Flugplatz bezogen.

Als der Nachbarlandkreis auf der dringenden Suche nach Wohnraum für die Flutopfer war, haben wir den Flugplatz Mendig für ein Containerdorf angeboten. Da das riesige Areal des Flugplatzes nicht zuletzt durch „Rock am Ring“ bekannt ist, nahm das Land Rheinland-Pfalz unser Angebot, die Flächen für eine Notunterkunft zu nutzen, sehr schnell an. Mit der Firma i-motion aus Mülheim Kärlich hatte man einen bekannten und schlagkräftigen Partner an Bord geholt. Die ersten Container und die notwendige Infrastruktur standen in kürzester Zeit.“

BLICK aktuell: „Wie hat sich das Containerdorf entwickelt?“

Jörg Lempertz: „Der Landkreis Ahrweiler kümmert sich um die Zuteilung und Vermittlung der Hilfesuchenden, während die Firma i-Motion den Betrieb sicherstellt. Bislang konnten über 100 Personen dort eine vorübergehende Bleibe finden. Uns als Verbandsgemeinde Mendig ist es wichtig, dass sich die notleidenden Menschen willkommen geheißen fühlen. Vielfältige Hilfeleistungen wurden auf den Weg gebracht, die von einer eigenen Willkommensbroschüre über ein Willkommenspaket mit einer Erstausstattung für die Bewohner bis hin zum Bau eines kleinen Spielplatzes für die jüngsten Bewohner reichen. Außerdem haben wir ein Patenmodell eingerichtet, auf das ich sehr stolz bin. Wir haben Kolleginnen und Kollegen und Bewohnerinnen und Bewohner aus Mendig gewinnen können, die sich ehrenamtlich um jeden Einzelnen in der Notunterkunft kümmern. Dabei geht es um alle Angelegenheiten, die der Alltag mit sich bringt, wie zum Beispiel Arztbesuch, Einkauf, Passangelegenheiten, Wohnungssuche und vieles mehr. An dieser Stelle möchte ich mich auch ausdrücklich bei den zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, ob privat, als Organisation oder Verein, recht herzlich bedanken. Exemplarisch sei auch das Deutsche Rote Kreuz und „Mendig hilft“ genannt. Ohne die Hilfe eines Jeden hätten wir das nicht gestemmt bekommen. DANKE!

BLICK aktuell: „Gibt es Ereignisse, auf die Sie besonders stolz sind?“

Jörg Lempertz: „Unsere Paten haben es tatsächlich geschafft, drei Familien je eine neue Wohnung zu vermitteln und den Umzug aus der Notunterkunft zu organisieren. Auch Bewerbungsgespräche für einen neuen Arbeitsplatz konnten bereits für zwei Bewohner erfolgreich vermittelt werden.“

BLICK aktuell: „Neues Thema: Kürzlich wurde der neue Rathausanbau mit Büros für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verbandsgemeinde sowie einem modernen Sitzungssaal eingeweiht. Dieses Projekt stellte doch sicher eine große Herausforderung dar?“

Jörg Lempertz: „Ja, das stimmt. Unser neuer Anbau wurde nach zwei Jahren finalisiert und ist innen wie außen eine tolle Erweiterung unseres Rathauses.

Eine zeitgemäße, moderne Verwaltung erfordert insbesondere die Teilnahmemöglichkeit von gehbehinderten und älteren Menschen am politischen und gesellschaftlichen Leben. Dies erreichen wir mit diesem Anbau!

Daneben gelingt es uns, mit dem Anbau einen städtebaulich positiven Akzent zu setzen. Wir sind sehr stolz, dass wir in diesem Bauwerk Denkmalschutz und moderne Technik harmonisch vereinen konnten.“

BLICK aktuell: „Die Einsegnung des Rathausanbaues zählte zu den letzten „Amtshandlungen“ von Pastor Ralf Birkenheier, der in Kürze in den wohlverdienten Ruhestand gehen wird. Da Sie dem Hirten der Pfarreiengemeinschaft Mendig bekanntlich freundschaftlich verbunden sind, war dies doch sicher ein ganz besonderer Moment für Sie?“

Jörg Lempertz: „Ja, vor allem ein sehr emotionaler! Ralf Birkenheier ist für mich ein erstklassiger Pastor und guter Freund gleichermaßen. Er hat sich über viele Jahre mit Begeisterung der Aufgabe der Nächstenliebe und Seelsorge gewidmet und aufgezeigt, wie lebendig und vital der christliche Glaube – auch in der heutigen Zeit - sein kann.

Seine gelebte Offenheit, Authentizität sowie Empathie gegenüber seinen Mitmenschen sind Meilensteine seiner Schaffenskraft, die uns dankbar auf sein Wirken zurückblicken lassen.

FRE

Artikel bewerten

rating rating rating rating rating
26.09.2021 13:27 Uhr
Lothar Skwirblies

Kenne Jörg schon viele Jahre er ist ein wunderbarer Mensch und mach einen Super Shop DANKE



Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.
Weitere Berichte

Architekten- und Ingenieurkammer richten Gutachterportal ein

Wiederaufbauhilfe der ISB: Ausfüllhilfen und Infos zu Gutachtern

Kreis Ahrweiler. Die Bewältigung der Flutfolgen in Rheinland-Pfalz geht Schritt für Schritt voran. Seit Ende Dezember ist das Verfahren, mit dem Betroffene Hilfezahlungen beantragen können, eröffnet. Für Gebäudeschäden sind im Antragsverfahren Begutachtungen vorgesehen. Dazu haben die Architektenkammer Rheinland-Pfalz und die Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz eine gemeinsame Portalseite im Internet freigeschaltet. mehr...

Wilfried Freischem aus Ahrbrück verarbeitet seine Erlebnisse nach der Flut in einer Kurzgeschichte

„Wir können nicht fassen, was kaum zu fassen ist“

Ahrbrück. Wie viele andere auch, wollte ich helfen. Aber Schaufel und Hacke bevorzugen doch eher junge Männer. Mit dem Auftrag, eine Seniorin in ärztliche Behandlung zu bringen, wurde ich einfach in eine rote Weste gesteckt. mehr...

Lesen Sie Jetzt:
solidAHRität Shop
aktuelle Beilagen
Inhalt kann nicht geladen werden

Kommentare
Matthias Natterer:
Totholz belibt liegen und Bremmholz das in 33cm Scheite gelagert wird muss weg weil es Brücken zerstört? Genau mein Humor...Am besten gleich noch Parkverbot für Fahrzeuge aller Art im gesamten Flutgebiet. Grills ,müssen natürlich auch von der Terasse , genauso wie alle Gartenmöbel ect. Alre Falter das...
Karl-Heinz:
Welche Fachleute vom ADD haben diese Verordnung rausgegeben??? Die ohne Gehirn und Ahnung!! Waren die grossen Bäume auch Feuerholz!!...
Michael Krämer:
Als wenn Brennholz was in der Regel 33 cm lang an Brücken hängen bleibt Man sollte mal lieber das ganze umgefallene Stammholz und Sträucher die am Ufer liegen aufarbeiten und nicht die Schuld bei den privaten suchen !...
Gertie :
Aha wusste nicht dass dass Brennholz am Stück gelagert wird . Sorry es ist doch eher dass nicht wegräumen von Unterholz am wassernähe, 25 cm brennholzstücken können sich nicht so verkanten . Da sucht man wieder ein schuldige anstatt mal die Augen auf zu machen. Was macht man mit Autos,Containern ,Mülltonnen...
A.Hoffmann:
Ergreifende Bilder aber der Bildanzeige hätte man eine Funktion zum ausblenden hinzufügen müssen...
Klaus Rinke:
Sehr guter erster Schritt für die Betroffenen.Und der Vorschreiben oben ......nur Rummotzen sonst nichts?Anstatt das zu Unterstützen erstmal nieder machen.Lachhaft so etwas.Es wird etwas Gutes Geschaffen und nur das zählt....
J.Thul:
Ich kann dem G. Friedrich zustimmen , das sind mehr Fertig- Garagen als was zum wohnen ! Da könnte man sich mehr einfallen Lassen ! Da wird man wirklich depressiv drin ! Ist ok für Bauarbeiter auf Großbaustelle in Afrika , aber nicht für die Senioren im Ahrtal..........
Manfred Jackl:
Was soll bitte der Negative Kommentar Hr/Fr Friedrich? Waren sie schon vor Ort und haben Sie es in Augenschein genommen? Anstatt dieses Engagement zu würdigen, fällt Ihnen nichts besseres ein, als es mies zu machen! Ich freue mich für die Senioren, dass diesen eine solche Möglichkeit geboten wird....
 
Service
LESETIPPS
GelesenEmpfohlenKommentiert